Dichtigkeitsprüfung versäumen oder verweigern

Rechtliche Konsequenzen

Wenn Sie es versäumen, den Dichtigkeitsnachweis für Ihr Grundstück termingerecht zu erbringen, werden Sie zunächst mit Mahnschreiben auf ihre Pflicht hingewiesen, dies unverzüglich nachzuholen.

Zwangsmaßnahmen

Sollten Sie weiterhin nicht darauf reagieren und eine Firma beauftragen, das Entwässerungssystem auf Dichtheit zu untersuchen, kann es zu Zwangsmaßnahmen kommen.
Es erwarten Sie Bußgelder und das Durchführen einer Dichtigkeitsprüfung durch eine vom Bauamt engagierte Firma.

Mögliches Strafverfahren

Zusätzlich kann bei Versäumen der Dichtigkeitsprüfung, bei anschließender Feststellung eines Leitungsschadens, zu einem Strafverfahren wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung kommen:

§324 StGB "Gewässerverunreinigung":
(1) Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(3) Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Antworten zur Dichtigkeitsprüfung

Schmutzwasser, das aus undichten Entwässerungssystemen der privaten Haushalte und Fabriken austritt, gefährdet zunehmend das Grundwasser und unseren Lebensraum. Um dieser schädlichen Entwicklung vorzubeugen hat der Gesetzgeber in DIN 1986-30 eine Dichtigkeitsprüfung der Entwässerungssysteme aller Grundstücke angeordnet und verpflichtet die Bürger undichte Abwasserleitungen binnen einer bestimmten Frist sanieren zu lassen.

Was das für den Einzelnen bedeutet ist den meisten bis jetzt unklar und sorgt für Missmut bei den Betroffenen.

Auf den folgenden Seiten finden Sie all Ihre Fragen zum Thema Dichtigkeitprüfung beantwortet.

Sanierung mit dem Flutungsverfahren

Allgemein

Das Flutungsverfahren ist eine neue Methode der Sanierung bei Abwasserleitungen und eignet sich bei der Abdichtung von Rissen und kleineren Schäden. Diese innovative Praktik hat den Vorteil von geringem Zeitaufwand und hinterlässt durch die geschlossene Bauweise keine Narben auf der Grundstücksfläche.
Trotzdem gibt es noch ungeklärte Fragen. So sind Dauerhaftigkeit und Umweltverträglichkeit bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht eindeutig geklärt. Bislang wurden aber keine giftigen Stoffe in den Chemikalien nachgewiesen, so dass das Flutungsverfahren in Deutschland mittlerweile von etwa 80 Sanierungsfirmen angeboten wird.

Durchführung

Das undichte Rohr wird zunächst erneut gereinigt. Anschließend flutet man es mit eine Chemikalie, die sich durch den hydrostatischen Druck an den defekten Stellen sammelt und sich im umliegenden Erdreich ansetzt. Die Chemikalie wird nun abgepumpt und eine zweite wird ins Rohr geleitet. In Verbindung mit der ersten, die sich nun nur noch an den Schadstellen befindet, verhärtet sich die Mischung zu einer Art festen Gesteins, das sich im Erdreich bildet, die Leitung abdichtet und den Austritt von Abwasser verhindert.

Gesetzliche Grundlagen der Dichtigkeitsprüfung

DIN 1986 - Teil 30

Abwasserleitungen müssen dicht sein, damit die darin enthaltenen Substanzen das Erdreich und das Grundwasser durch Undichtigkeiten nicht verunreinigen. Der Gesetzgeber beschließt mit der DIN 1986- Teil 30 "Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke - Instandhaltung", dass Grundstücksentwässerungsleitungen, Schächte, Abwassersammelgruben und Kleinkläranlagen von privaten Grundstücken bis zum 31.12.2015 auf Dichtheit zu überprüfen sind. Festgestellte Mängel müssen nach dem neusten Stand der Technik von Fachfirmen behoben werden.

Dichtigkeit muss von entsprechendem Fachpersonal entweder mit einer optischen Untersuchung oder einer Druckbeschlagung mit Wasser oder Luft geprüft werden.

Unterschiede

Je nach Art und Lage der Leitungen können sich die Einzelheiten und Überprüfungszeiträume jedoch von der DIN 1986 - Teil 30 unterscheiden. Bitte informieren Sie sich hierzu bei uns auf den entsprechenden Seiten zu Ihrem Bundesland und zu den verschiedenen Prüfzeiträumen in Wasserschutzgebieten.

Rohr- und Kanalsanierung in geschlossener Bauweise

Verfahren

Bei der Sanierung in geschlossener Bauweisse entfällt das Aufgraben des Grundstückes. Dafür können jedoch nur kleinere Schäden behoben werden und auch nur, wenn die Leitung noch stabil ist.
Über die Reinigungsleitung, die sich oft im Keller befindet, wird beim Inliner-Verfahren ein spezieller Schlauch in die rissige Abflussleitung eingezogen, um später die neue Innenwand des Abflussrohres zu bilden.

Vorteile:    

  • Baumaßnahmen nehmen wenig Zeit in Anspruch (1/2 Tag pro Leitung)
  • günstiger gegenüber der offenen Bauweise
  • Grundstücksoberfläche wird nicht beschädigt

Nachteile:   

  • sehr zeitintensiv
  • nur geringe Schäden(Risse, Scherben) sind behandelbar
  • Inlinerverfahren kann nur angewandt werden wenn ein Rohrdurchmesser von mindestens 10 cm gewährleistet ist

 

Kombination der Sanierungsverfahren

Selten kommt bei der Sanierung der Abwassersysteme nur ein Verfahren zur Anwendung, da Leitungsschäden oft über das Grundstück verteilt und nicht mit einer Bauweise zu beheben sind. In der Kombination von offener und geschlossener Bauweise lassen sich komplette Entwässerungsanlagen sanieren.

Auf die Dichtigkeitsprüfung vorbereiten

Beratung

Für eine qualifizierte Beratung zum Thema Dichtigkeitsprüfung wenden Sie sich zunächst am besten an das zuständige Bauamt oder den Abwasserverband Ihrer Gemeinde. Eine Liste mit seriösen und lokalen Dienstleistungsanbietern, an die man sich für die Arbeiten am Abwassersystem wenden kann, hängt hier aus.
Auch in Ingenieurbüros können Sie bei allen Fragen zur Dichtheitsprüfung neutral und unabhängig, jedoch für Vergütung, beraten lassen. Diese sind zudem geeignet, sie bei eventuell anstehenden Sanierungsarbeiten der Abwasserleitungen zu beraten.

Sammelaufträge


Hilfen und Förderungen durch Kommunen oder das Land sind nicht vorgesehen. Darum ist es sinnvoll sich für die Dichtigheitsprüfung mit Nachbarn abzusprechen, um durch Sammelaufträge, den Aufwand für Fachbetriebe zu senken und die Kosten für die Inspektion drastisch zu vermindern.

Vor Ort

Ein reibungsloser Ablauf vor Ort spart oft Kosten und Mühen. Stellen Sie frühzeitig die notwendigen Planunterlagen zusammen oder beschaffen Sie diese beim Bauordnungsamt.
Das eigene Suchen nach Schächten auf dem Grundstück und nach Revisionsöffnungen und Bodeneinläufen in Gebäuden erleichtert später die Koordination der Untersuchungs- und Sanierungsmaßnahmen. Räumen Sie auch den Zugang zu Revisionsklappen und -schächten frei.

Rechtzeitig prüfen


Es ist sinnvoll, die Prüfung rechtzeitig durchführen zu lassen und nicht erst kurz vor Ablauf der Frist eine Firma für die Dichtigkeitsprüfung zu engagieren. Es kann passieren, dass durch den enormen Andrang, die Kosten der Inspektion stark ansteigen oder die Prüfung gar zu spät durchführbar ist. Eine Zweitprüfung kann zudem notwenig werden und verhindern, dass Sie den Dichtheitsnachweis termingerecht erbringen können. In diesem Fall sollten Sie sich umgehend mit der zuständigen Behörde in Verbindung setzen und informieren, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden.