Wie wird die Dichtigkeit bzw. Dichtheit der Abwasserrohre geprüft?

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Sanierung defekter Abwasserleitungen

Ursachen

Entwässerungssysteme haben nur ein begrenzte Lebenserwartung. Alterung, falsche Werkstoffwahl, Vernachlässigung der betrieblichen Nutzung oder unsachsliche Bauausführen führen früher oder später zu Rissen und Undichtigkeiten im gesamten Abwassersystem. Defekte Leitungen und Schächte müssen deshalb regelmäßig überprüft und gegenbenenfalls fachmännisch saniert werden.

Mögliche Schäden und deren Konsequenzen
   

  • Verlust der Statik führt zu Rohr- bzw. Kanalbrüchen und erheblicher Gefährdung für die Umwelt
  • Scherbenbildung und Ablagerungen im Sohlbereich führen zu verlangsamten Abfluss des Schmutzwassers
  • Undichtigkeit der Wände führt zu Abwasseraustritt und Grundwasserverschmutzung, sowie Grundwassereintritt und hydraulischer Überlastung


Wenn ein Sanierungsbedarf festgestellt ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Schäden zu beheben.

Sanierungsverfahren

Man unterscheidet in drei Verfahrensgruppen

  1. Reparatur - lokal begrenzte Schäden werden behoben
  2. Renovierung - die Funktionsfähigkeit der Abwasserleitungen wird unter Einbeziehung des Altrohres verbessert
  3. Erneuerung - neue Abwasserleitungen werden hergestellt

Dichtigkeitsprüfung versäumen oder verweigern

Rechtliche Konsequenzen

Wer den Dichtigkeitsnachweis für sein Grundstück nicht termingerecht erbringt, muss mit Mahnschreiben rechnen, die den Eigentümer auffordern, die Prüfung binnen eines bestimmten Zeitraums nachzuholen und den Nachweis zu erbringen.

Zwangsmaßnahmen

Eigentümer, die sich auch weiterhin nicht bemühen sollten, den Dichtheitsnachweis zu erbringen, müssen mit Bußgeldern und Zwangsmaßnahmen in Form einer vom Bauamt engagierten Firma, welche die Dichtheitsprüfung durchführt, rechnen.

Mögliches Strafverfahren

Wenn bei einer Zwangsprüfung ein Leitungsschaden festgestellt wird, kann es zusätzlich zu einem Strafverfahren, wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung kommen:

§324 StGB "Gewässerverunreinigung":
(1) Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(3) Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Warum wird Dichtigkeit geprüft?

Umweltschutz

1,5 Mio. km privaten Anschlusskanäle und Grundleitungen schlängeln sich durch Deutschlands Untergrund. Nach Schätzungen beträgt der Schaden an den Leitungen etwa 40%.
Das bedeutet eine große Bedrohung für die Umwelt und schließlich auch für uns, da das Grundwasser vom ausdringenden Schmutzwasser erheblich verunreinigt wird. Zusätzlich kann das Grundwasser, dass in defekte Rohrsysteme eindringt, die Abwasseranlagen negativ beeinträchtigen und zur hydraulischen Überlastung von Kanalnetzten führen.

Gesetz

Der Grundstückseigentümer wird in §60 des Wasserhaushaltsgesetztes verpflichtet seine Anlagen betriebssicher zu errichten, zu betreiben und zu unterhalten. Die DIN 1986-30 "Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke" verpflichtet die Bürger die Abwassersysteme des eigenen Grundstücks regelmäßig und von Fachpersonal auf Dichtheit überprüfen zu lassen.

Sanierung mit dem Flutungsverfahren

Allgemein

Das Flutungsverfahren ist eine neue Methode der Sanierung bei Abwasserleitungen und eignet sich bei der Abdichtung von Rissen und kleineren Schäden. Diese innovative Praktik hat den Vorteil von geringem Zeitaufwand und hinterlässt durch die geschlossene Bauweise keine Narben auf der Grundstücksfläche.
Trotzdem gibt es noch ungeklärte Fragen. So sind Dauerhaftigkeit und Umweltverträglichkeit bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht eindeutig geklärt. Bislang wurden aber keine giftigen Stoffe in den Chemikalien nachgewiesen, so dass das Flutungsverfahren in Deutschland mittlerweile von etwa 80 Sanierungsfirmen angeboten wird.

Durchführung

Das undichte Rohr wird zunächst erneut gereinigt. Anschließend flutet man es mit eine Chemikalie, die sich durch den hydrostatischen Druck an den defekten Stellen sammelt und sich im umliegenden Erdreich ansetzt. Die Chemikalie wird nun abgepumpt und eine zweite wird ins Rohr geleitet. In Verbindung mit der ersten, die sich nun nur noch an den Schadstellen befindet, verhärtet sich die Mischung zu einer Art festen Gesteins, das sich im Erdreich bildet, die Leitung abdichtet und den Austritt von Abwasser verhindert.

Dichtigkeit von Fachbetrieben prüfen lassen

Fachpersonal

Dichtheitsprüfungen, sowie die anschließende Sanierung dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt werden.
Die Mitarbeiter müssen betriebs-, bau- und materialtechnisches Sachverständnis aus dem Entwässerungsbereich nachweisen können und das Fachwissen zur Dichtigkeitsprüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen durch entsprechende Schulungen erworben haben.
Beim Bauamt oder Abwasserverband kann man sich Dank einer Liste über seriöse Firmen erkundigen.

Ausstattung


Fachkundige Betriebe sollten folgende Geräte mit sich führen, um die Dichtigkeitsprüfung ordnungsgemäß durchführen zu können:

  • abbiegefähige Schiebekamera mit Dreh-/Schwenkkopftechnik,
  • Hochdruck-Spülanlage (100 l/min./150 bar),
  • Ortungssender zur Lagebestimmung,
  • digitaler Videorekorder mit Datenarchivierung auf CD oder DVD,
  • digitaler Kamera


Achtung: Keine Haustürgeschäfte durchführen!

Unseriöse Firmen, sogenannte "Kanalhaie", wittern Ihr großes Geschäft bei der Vielzahl an Dichtigkeitsprüfungen, die in den nächsten Jahren durchgeführt werden und bieten ihre Leistungen zu niedrigen Preisen an unachtsame Eigentümern an der Haustür an.
Anschließend werden von ihnen enorme Schäden festgestellt, die der Eigentümer nach Abschluss eines Vertrages nun zu horenden Preisen zahlen muss.