Sanierung defekter Abwasserleitungen

Ursachen

Leitungsschäden kennen viele Ursachen. Ob der Alterungsprozess oder falsche Werkstoffwahl, Verschleißerscheinungen durch unsachliche Bauausführung oder Vernachlässigung der betrieblichen Nutzung - Abwasserleitungen haben eine begrenzte Lebenserwartung.

Mögliche Schäden und deren Konsequenzen

  • Undichtigkeit der Wände führt zu Abwasseraustritt und Grundwasserverschmutzung, sowie Grundwassereintritt und hydraulischer Überlastung
  • Verlust der Statik führt zu Rohr- bzw. Kanalbrüchen und erheblicher Gefährdung für die Umwelt
  • Scherbenbildung und Ablagerungen im Sohlbereich führen zu verlangsamten Abfluss des Schmutzwassers

Wenn ein Sanierungsbedarf festgestellt ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Schäden zu beheben.

Sanierungsverfahren

Man unterscheidet in drei Verfahrensgruppen

  1. Reparatur - lokal begrenzte Schäden werden behoben
  2. Renovierung - die Funktionsfähigkeit der Abwasserleitungen wird unter Einbeziehung des Altrohres verbessert
  3. Erneuerung - neue Abwasserleitungen werden hergestellt

Dichtigkeit von Fachbetrieben prüfen lassen

Fachpersonal

Dichtheitsprüfungen, sowie die anschließende Sanierung dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt werden.
Die Mitarbeiter müssen betriebs-, bau- und materialtechnisches Sachverständnis aus dem Entwässerungsbereich nachweisen können und das Fachwissen zur Dichtigkeitsprüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen durch entsprechende Schulungen erworben haben.
Beim Bauamt oder Abwasserverband kann man sich Dank einer Liste über seriöse Firmen erkundigen.

Ausstattung


Fachkundige Betriebe sollten folgende Geräte mit sich führen, um die Dichtigkeitsprüfung ordnungsgemäß durchführen zu können:

  • abbiegefähige Schiebekamera mit Dreh-/Schwenkkopftechnik,
  • Hochdruck-Spülanlage (100 l/min./150 bar),
  • Ortungssender zur Lagebestimmung,
  • digitaler Videorekorder mit Datenarchivierung auf CD oder DVD,
  • digitaler Kamera


Achtung: Keine Haustürgeschäfte durchführen!

Unseriöse Firmen, sogenannte "Kanalhaie", wittern Ihr großes Geschäft bei der Vielzahl an Dichtigkeitsprüfungen, die in den nächsten Jahren durchgeführt werden und bieten ihre Leistungen zu niedrigen Preisen an unachtsame Eigentümern an der Haustür an.
Anschließend werden von ihnen enorme Schäden festgestellt, die der Eigentümer nach Abschluss eines Vertrages nun zu horenden Preisen zahlen muss.

Gesetzliche Grundlagen der Dichtigkeitsprüfung

DIN 1986 - Teil 30

Abwasserleitungen müssen dicht sein, damit die darin enthaltenen Substanzen das Erdreich und das Grundwasser durch Undichtigkeiten nicht verunreinigen. Der Gesetzgeber beschließt mit der DIN 1986- Teil 30 "Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke - Instandhaltung", dass Grundstücksentwässerungsleitungen, Schächte, Abwassersammelgruben und Kleinkläranlagen von privaten Grundstücken bis zum 31.12.2015 auf Dichtheit zu überprüfen sind. Festgestellte Mängel müssen nach dem neusten Stand der Technik von Fachfirmen behoben werden.

Dichtigkeit muss von entsprechendem Fachpersonal entweder mit einer optischen Untersuchung oder einer Druckbeschlagung mit Wasser oder Luft geprüft werden.

Unterschiede

Je nach Art und Lage der Leitungen können sich die Einzelheiten und Überprüfungszeiträume jedoch von der DIN 1986 - Teil 30 unterscheiden. Bitte informieren Sie sich hierzu bei uns auf den entsprechenden Seiten zu Ihrem Bundesland und zu den verschiedenen Prüfzeiträumen in Wasserschutzgebieten.

Antworten zur Dichtigkeitsprüfung

Schmutzwasser, das aus undichten Entwässerungssystemen der privaten Haushalte und Fabriken austritt, gefährdet zunehmend das Grundwasser und unseren Lebensraum. Um dieser schädlichen Entwicklung vorzubeugen hat der Gesetzgeber in DIN 1986-30 eine Dichtigkeitsprüfung der Entwässerungssysteme aller Grundstücke angeordnet und verpflichtet die Bürger undichte Abwasserleitungen binnen einer bestimmten Frist sanieren zu lassen.

Was das für den Einzelnen bedeutet ist den meisten bis jetzt unklar und sorgt für Missmut bei den Betroffenen.

Auf den folgenden Seiten finden Sie all Ihre Fragen zum Thema Dichtigkeitprüfung beantwortet.

Dichtigkeitsprüfung versäumen oder verweigern

Rechtliche Konsequenzen

Wer den Dichtigkeitsnachweis für sein Grundstück nicht termingerecht erbringt, muss mit Mahnschreiben rechnen, die den Eigentümer auffordern, die Prüfung binnen eines bestimmten Zeitraums nachzuholen und den Nachweis zu erbringen.

Zwangsmaßnahmen

Eigentümer, die sich auch weiterhin nicht bemühen sollten, den Dichtheitsnachweis zu erbringen, müssen mit Bußgeldern und Zwangsmaßnahmen in Form einer vom Bauamt engagierten Firma, welche die Dichtheitsprüfung durchführt, rechnen.

Mögliches Strafverfahren

Wenn bei einer Zwangsprüfung ein Leitungsschaden festgestellt wird, kann es zusätzlich zu einem Strafverfahren, wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung kommen:

§324 StGB "Gewässerverunreinigung":
(1) Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(3) Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Betrifft mich die Dichtigkeitsprüfung?

Direkt betroffen sind alle Grundstückseigentümer!

Der Grundstückseigentümer ist verpflichtet sein Entwässerungssystem so zu betreiben, dass von ihm keine Gefahr für das Allgemeinwohl ausgeht. Dazu muss er innerhalb einer vorgeschriebenen Frist, seine Abwasserleitungen von qualifiziertem Fachpersonal auf Funktionalität und Dichtheit überprüfen lassen.

Mieter sind nur indirekt betroffen!

Mieter müssen der vom Eigentümer/Vermieter engagierten Firma lediglich Zugang zu Abwasserleitungen auf dem Grundstück und im Gebäude gewähren. Er muss damit rechnen, dass es während des Prüfzeitraumes zu Einschränkungen bei der Nutzung allen abwasserproduzierenden Geräten kommt.